Cuba

Cuba – Viva Revolution?

Vergleichende Diskursanalyse am Beispiel westlicher Deskription und den Faktizitäten Cubas

∼ erweiterte Neuauflage, März 2017 ∼

Paperback, 76 Seiten
ISBN-13: 978-3-7431-7669-0
Verlag: BoD
Erstveröffentlichung: März 2016
Sprache: Deutsch

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BeschreibungInhaltsverzeichnisAutor-KommentarLeseprobe: Einleitung
Seit Mitte 2015 beginnen sich die USA, nach über 50 Jahren des kalten und heißen Krieges gegen das sozialistische Cuba, der Tropeninsel zu öffnen. Das Credo der westlichen Medien ist, das Cuba jetzt (endlich) »kapitalisiert« wird. Ist das so? Zweifel sind berechtigt, denn Cuba wurde bisher von den wenigsten im Westen verstanden und fast immer einseitig und voreingenommen bewertet. Die erfolgreiche cubanische Revolution, mit der einhergehenden Befreiung der Insel aus dem Zugriff westlicher Ökonomie-Interessen, lässt das durch westliche Politik und Medien gezeichnete Bild Cubas seit fast 56 Jahren entsprechend und nahezu einheitlich erscheinen: Cuba wird bis heute als drangsalierende Diktatur oder als Castro-Regime charakterisiert, in der DissidentInnen und politische Gefangene angeblich gefoltert und JournalistInnen in ihrer Arbeit behindert würden, in dem von Zensur und Repressionen die Rede ist und die freie Meinungsäußerung der Menschen eingeschränkt sei.

Kay Heinath analysiert anhand von im Prinzip für jeden offen liegenden und verifizierbaren ökonomischen, sozialen, gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Faktizitäten dieses stigmatisierte Bild Cubas auf seinen Realitätsgehalt. Die vom Autor gemachte Analyse ist notwendig, denn kaum jemand macht sich angesichts einer holzschnittartigen, westlichen Propagandamaschinerie die Mühe, die tatsächlichen Daten über Cuba bei der UNESCO oder UNICEF nachzulesen. Ob die von Politikwissenschaftlern hochgelobte partizipative Demokratie Cubas, ein Bildungs- und Gesundheitsystem, welches auf dem gesamten amerikanischen Kontinent seines Gleichen sucht oder Cubas Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik, welche weltweit richtungsweisend ist – das Ergebnis ist für manchen sicherlich in vielerlei Hinsicht überraschend.

Einleitung (S.7)

Cuba vor der Revolution von 1959 (S.14)
Anhaltende US-Aggression (S.15)
Katastrophe in Lateinamerika (S.25)
Cuba heute: Beständiger Rückhalt zum cubanischen Weg (S.30)
Der cubanische Weg (S.37)
Fakten zu Cuba (S.39)
Allgemein (S.39)
Soziale Maxime (S.39)
Gesundheitssystem (S.41)
Engagement außerhalb Cubas (S.43)
Umweltschutzstandards (S.45)
Politisches System (S.45)
Fazit und Schlussbemerkung (S.54)

Anmerkungen und Literaturhinweise (S.51)

Zugaben (S.73)

Ein Zitat des US-amerikanischen Publizisten und ehemaligen Mitarbeiters des State Department der USA, William Blum, gab mir vor einiger Zeit das erste mal zu denken. Er hat gesagt: »Das Traurigste an dieser Geschichte ist, dass die Welt nie erfahren wird, welche Gesellschaft Cuba hätte hervorbringen können, wenn es sich selbst überlassen worden wäre, wenn es nicht dauernd unter Beschuss und unter der Bedrohung durch eine Invasion gestanden hätte, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, sich zu entspannen und in seinen Kontrollmechanismen nachzulassen. Der Idealismus, die Vision, das Talent, der Internationalismus, das alles war da. Aber wir werden es nie erfahren. Und das war ja auch der Sinn der Sache.« 

Wenn uns seit Jahrzehnten durch die westliche Hegemonialmacht, dem selbsternannten »Land of the free«, die »von Gott erwählte Nation«, mit welcher sich viele in einer »Wertegemeinschaft« sehen, erzählt wird daran zu glauben, das Cuba eine schlimme Diktatur sei, Menschenrechte unterdrücke und ein Reich des Bösen sei, und dabei diese Hegemonialmacht selbst lange schon zu einer scheindemokratischen Oligarchie entartet ist, in alle Ecken und Enden der Welt statt der propagierten Freiheit ersatzweise Tod und Elend durch eigene oder protegierte Kriege exportiert, darüber hinaus auch im eigenen Land Menschenrechte beständig mit Füßen tritt, einen zunehmenden Anteil der eigenen Bevölkerung stetig weiter in die Gosse abrutschten lässt und sich diese Macht über all diese Tatsachen auch noch anschickt, die gesamte, globale Kommunikation und Privatsphäre der Menschen zu überwachen und auszuwerten, dann sind Zweifel legitim.

Das Ergebnis meiner Recherchen ist erstaunlich. Erstaunlich bezüglich der herausgearbeiteten Faktenlage über die Realitäten Cubas, und erstaunlich bezüglich der eigenen Naivität, Arglosigkeit und Empfänglichkeit für Einflüsterungen großer Interessen. Dieses Büchlein legt so dem gleichfalls offen, wie durch stetige Suggestion falscher oder einseitiger Sachverhalte, ein Zerrbild von etwas erzeugt werden kann, welches sich beim genauen hinsehen dann ganz anders darstellt. Ein »Aufwecker«.

Kay Heinath

Einleitung

»Das Traurigste an dieser Geschichte ist, dass die Welt nie erfahren wird, welche Gesellschaft Cuba hätte hervorbringen können, wenn es sich selbst überlassen worden wäre, wenn es nicht dauernd unter Beschuss und unter der Bedrohung durch eine Invasion gestanden hätte, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, sich zu entspannen und in seinen Kontrollmechanismen nachzulassen. Der Idealismus, die Vision, das Talent, der Internationalismus, das alles war da. Aber wir werden es nie erfahren. Und das war ja auch der Sinn der Sache.«
William Blum

Als sich im Januar 1959 auf Cuba der Wind drehte und die Cubanerinnen und Cubaner sich durch die Revolution von dem korrupten Regime Fulgencio Batistas befreiten, welcher gestützt durch die USA im Sinne der multinationalen US-Konzerne auf Cuba herrschte, veränderte dies nicht nur die Realitäten auf Cuba selbst, sondern in der Folge auch die Realitäten für einen ganzen Kontinent. Die Befreiungsbewegung eines ganzen Volkes, gegen ein korruptes Establishment, wurde bereits kurz nach dem Erfolg der Revolution von der damaligen US-Ägide als Provokation bewertet, da zusehends erkennbar wurde, dass sich die neue cubanische Administration zukünftig keinen Handelsdiktaten mehr unterwerfen werde. Am 10. März 1959, setzte eine Versammlung des nationalen Sicherheitsrates der USA das Ziel auf die Tagesordnung, auf Cuba eine andere Regierung zu installieren und die revolutionäre Neuordnung durch eine Konterrevolultion wieder zu beseitigen. Dieses Ziel steht bis heute unverändert auf der Agenda und es folgten über 50 Jahre terroristische Angriffe, Mordaktionen, Bombardements und Invasionsunternehmen auf Cuba.

1999 konnte Cuba vor der UN-Spionageabwehrkommission 3.478 Tote und 2.099 Schwerverletzte aufgrund terroristischer Aktionen der USA nachweisen. Die US-Regime beschreiten neben dem Weg der direkten Gewalt gleichermaßen den Weg der indirekten Gewalt, um die »Zucker-Insel« wieder dem Zugriff des Imperiums zuzuführen. Das seit über 50 Jahren über die Insel verhängte, uneingeschränkte Wirtschaftsembargo, welches verlässlich dafür sorgt, dass Cuba in seinen ökonomischen Belangen teilweise im Stadium der Unterentwicklung gehalten wird, stellt sich für die cubanische Bevölkerung als besonders verhängnisvoll dar. Es fehlt auf Cuba praktisch an allem und es verlangt ein ungeheures Maß an Improvisationsgeist, um den stellenweisen, beträchtlichen Mangel zumindest in lebenswichtigen Bereichen zu kompensieren. Dieses misanthropische Vorgehen ist bis heute die Grundlage der Politik der USA und des sogenannten freien Westens, denn auch nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Cuba im Jahr 2015, hält das US-Regime beharrlich an dem Ziel fest, Cuba zu destabilisieren und einen Umsturz herbeizuführen – weder der ›Cuban Adjustment Act‹, noch die ›wet foot, dry foot-policy‹, noch das gezielte Abwerben cubanischer Ärzte und anderer Fachkräfte, wurden aufgegeben. Erst wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit von Barack Obama, im Januar 2017, wurden diese Maßnahmen eingestellt. Ob diese Entscheidung allerdings von Bestand sein wird, ist den Äußerungen seines Nachfolgers nach allerdings mehr als fragwürdig.

Cuba indes hat bis heute die »unverzeihliche« Revolution durchgehalten und stellt für die Interessen der US-Regime allein durch seine Existenz bis heute eine starke Bedrohung dar, denn das symbolische und gegen-hegemoniale Potenzial, mit dem ein freies und unabhängiges Cuba für andere Länder Lateinamerikas als Vorbild dient, gefährdet den US-Einfluss auf deren Märkte unablässig. Unseligerweise setzte die erfolgreiche cubanische Revolution gleichfalls wider Willen den Startpunkt für die in den Folgejahren, bis in die 1990er Jahre hinein geschehenen, unsäglichen Verbrechen in Lateinamerika, in denen rechtsgerichtete US-freundliche Militärdiktaturen, sogenannte ›Militärjuntas‹, gegen die eigene Bevölkerung mordend vorgingen. In diese verdeckten Kriege waren die Vereinigten Staaten mittels CIA und geheim operierenden Truppen massiv verstrickt. Diese sogenannten »schmutzigen Kriege«, fanden in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt – hier allein starben oder verschwanden spurlos Hunderttausende.
All dies geschah, weil Cuba als »jemand galt, der uns durch die Lappen gegangen war und die USA drehten fast durch«, beschreibt der US-amerikanische Filmregisseur, Autor und Oscarpreisträger Michael Moore, die Politik seines Landes. Bis heute widersetzt sich Cuba ungebrochen der Militarisierung und Unilateralisierung der US-Außen- und Außenwirtschaftspolitik, welche mit ideologischer Subversion, politischer Einflussnahme und destabilisierenden und radikalisierenden Maßnahmen einhergeht.

Und so lässt die erfolgreiche cubanische Revolution von 1959, mit der einhergehenden Befreiung der Insel aus dem Zugriff westlicher Ökonomieinteressen, das durch westliche Politik, Medien und Dokumentationen gezeichnete Bild Cubas seit 58 Jahren entsprechend und nahezu einheitlich erscheinen: Cuba wird bis heute als drangsalierende Diktatur oder als Castro-Regime charakterisiert, in der angeblich Dissidenten und politische Gefangene gefoltert und Journalisten in ihrer Arbeit behindert würden, in dem Zensur und Repressionen herrsche und die freie Meinungsäußerung der Menschen eingeschränkt sei. Aber in wie weit entspricht dieses stigmatisierte Bild Cubas überhaupt den Realitäten und lassen sich die vom Westen gezeichneten Szenarien an empirischen Ergebnissen messen? Kaum jemand macht sich doch angesichts der holzschnittartigen, westlichen Propagandamaschinerie die Mühe, die tatsächlichen Daten über Cuba bei der UNESCO oder UNICEF nachzulesen. In Folge der cubanischen Revolution haben auf Cuba eine große Anzahl gesellschaftlicher und sozialer Veränderungen im progressiven Sinne zum Vorteil der Bevölkerung stattgefunden. In der politischen Transformation sind die zahlreichen Initiativen zur Realisierung neuer partizipativer Formen der Demokratie zu nennen, welche nicht zuletzt in vielen westlichen Demokratien vergleichbares suchen. Wer im Westen weiß denn schon etwas über die durch den kanadischen Politikwissenschaftler Arnold August hochgelobte, partizipative Demokratie Cubas, welche sich unter der Führung der Castros, trotz der US-Handels-, Wirtschafts- und Finanzblockade und trotz der US-Terroranschläge, denen nicht nur Beamte oder die cubanische Führung ausgesetzt waren, entwickelt hat?

Diese, wie sich noch zeigen wird, tatsächlich vorbildliche Demokratie, entwickelte sich durch die aus den revolutionären Prozessen hervorgegangenen, sozialen Neuordnungen und aufgrund eines Bildungs- und Gesundheitsprogramms auf Cuba, welches nicht nur auf dem gesamten amerikanischen Kontinent seines Gleichen sucht. Denn nur gebildete und zugleich gesunde Menschen sind in der Lage mitzudenken und verantwortungsbewusst mitzubestimmen.

Vor dem Hintergrund der einer weltweiten Öffentlichkeit bekannt gewordenen Lügengebäude, welche in den letzten Jahrzehnten durch westliche Regierungen mit Hilfe von Medien der Öffentlichkeit offeriert wurden, um Angriffskriege oder Interventionen aller Art zu rechtfertigen sind Zweifel am einseitigen, westlichen Bild Cubas mehr als angebracht. Die Vergangenheit zeigt allzu deutlich, dass immer, wenn ökonomische Interessen im Raume stehen – und das ist in kapitalistischen Ökonomien in der Regel immer der Fall – es bei Handlungen kapitalistischer Staaten überaus stringent ist, genauer hin zu schauen, worin das eigentliche Ziel der Aktionen begründet liegt.
Wie wenig das tatsächliche Bild Cubas nach der Prüfung der cubanischen Faktizitäten mit den westlich gezeichneten, dogmatischen Vorurteilen dann letztlich gemein hat, mag vereinzelnd überraschen, verwundert aber spätestens dann nicht mehr, wenn sich das Interesse des Westens an einer Negativ-Darstellung Cubas vor Augen geführt wird.
Es wird im Verlauf der Analyse fraglos deutlich werden, dass im direkten Vergleich mit den westlichen Systemen, der Westen lediglich ökonomisch deutlich besser dasteht – was aber auch wie bereits angedeutet niemanden wirklich verwundern sollte, wenn jegliche ökonomische Entwicklung durch eben diesen Westen verhindert oder gar sabotiert wird.

In den für Mensch und Umwelt essenziellen Dingen hingegen, dokumentieren viele gesellschaftliche und politische Details Cubas, gegenüber dem Westen, Vorbildfunktion. Ganz im Besonderen gilt dieses, und das ist für den Westen besonders blamabel, für den Bereich der Demokratie. Ausgerechnet der Bereich, welchen sich der sogenannte freie Westen stets für sich als Alleinmerkmal in Anspruch nimmt, ist die cubanischen Demokratie haushoch überlegen. Aber nicht nur das. Cuba wirkt trotz der eigenen, ökonomischen Probleme weltweit außergewöhnlich aktiv an humanitären Hilfeleistungen mit. Im Zuge der Hilfsmaßnahmen sendet Cuba weltweit mehr medizinisches Personal aus, als die WHO im Rahmen ihrer Hilfsprogramme. Cubas Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik ist weltweit richtungsweisend und das Land beschreitet einen umweltverträglichen, wirtschaftlichen Entwicklungsweg – Cuba ist weltweit das einzige Land der Erde, welches vom WWF eine nachhaltige Entwicklung bescheinigt bekommt.

Es erwartet Sie also etwas in diesem kleinen Büchlein. Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich überraschen.