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Kalkulierte Misere

Kalkulierte Misere

Warum Kapitalismus systematisch Elend produziert und eine ethisch-humanistische Genese der Gesellschaft unmöglich macht – und der Ausweg daraus

Paperback, 352 Seiten
ISBN-13: 978-3-7431-2730-2
Verlag: BoD
Erweiterte Neuauflage: März 2017
(Erstveröffentlichung: März 2016)
Sprache: Deutsch

Buch lesen? Das Buch kann als Taschenbuch (9,99 € inkl. MwSt.) und als E-Book (3,99 € inkl. MwSt.) käuflich erworben werden

KlappentextInhaltsverzeichnisLeseprobe: Vorwort
Der Kapitalismus, so anpassungsfähig er bislang gewesen sein mag, kann eines nicht – seinen eigenen ökonomischen Gesetzen entkommen.

Wie können es unsere sogenannten Werte-Gesellschaften ertragen, dass auf der einen Seite glitzernde Metropolen mit unermesslichen, materiellem Reichtum existieren und auf der anderen Seite alle fünf Sekunden ein Kind an den Folgen von Unterernährung sterben muss? Weshalb sind diese angeblich so fortschrittlichen Gesellschaften ebenfalls nicht in der Lage, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu erhalten? An allen Ecken und Enden unserer gesellschaftlichen Ordnungen offenbaren sich zahllose Absurditäten – wie ist es möglich, dass diese in weiten Teilen der Gesellschaften als Normalzustand akzeptiert werden?

Der Autor geht bei seiner Analyse an die Wurzel, anstatt nur auf der Symptom-Ebene zu verharren. Durch die Verständlichmachung der inneren Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Wirtschaftsweise macht er deutlich, weshalb die weitgehend als inhuman erlebte Realität nicht etwa die Folge von Fehlentwicklungen ist, sondern die unabänderliche Konsequenz dieser Wirtschaftsweise. Warum ein solch mangelhaftes System dennoch vielen als alternativlos erscheint, bringt der Autor durch die Offenlegung der bestimmenden Faktoren und Abhängigkeiten innerhalb der Gesellschaft und der Machtstrukturen an den Tag und kann am Ende als Resümee eine schlüssige Antwort darauf geben, wie eine Metamorphose der Gesellschaft, hin zu einem positiveren Gesellschaftssystem, aussehen müsste.


Vorbemerkung zur Neuausgabe (S.7)

Vorwort (S.10)

Aufbau des Buches (S.18)

1. Teil: Die kapitalistische Welt
Einleitung in den 1. Teil (S.21)
Kapitalistische Ökonomie in ihrem Fortgang (S.25)
Blick nach Deutschland (S.29)
Deutschland – USA, USA – Deutschland (S.49)
Hunger (S.54)
Armut (S.59)
Kinderarbeit (S.69)
Krieg und Imperialismus (S.71)
Klimawandel (S.74)
Umweltzerstörung (S.89)
Massentierhaltung, Tierversuche, Tierverwertung (S.93)
Schlussbemerkung zum 1. Teil (S.101)

2. Teil: Im Maschinenraum der Ökonomie
Einleitung in den 2. Teil (S.103)
Gesetzmäßigkeiten und Ablaufmechanismen (S.114)
Zwischenfazit (S.127)
Komplettierung (S.130)
Schlussbemerkung zum 2. Teil (S.142)

3. Teil: Gesellschaftliche Determinanten
Einleitung in den 3. Teil (S.148)
Psychologische Methodik (S.154)
Neurowissenschaft – Der Bestätigungsfehler (S.161)
Manipulative Verstärkungstechniken (S.168)
Ablenkung (S.172)
Medien (S.178)
Eliten (S.200)
Staatsgenese (S.210)
Der Staat – Freiheit und Gleichheit (S.215)
Nation (S.224)
Bürgerliche Gesellschaft (S.230)
Demokratie und Wahl (S.244)
Hegemon (S.258)
Schlussbemerkung zum 3. Teil (S.276)

4. Teil: Perspektiven und Neuansatz
Transformation (S.283)
Der Mensch als soziales Wesen (S.293)
Der Schlüssel (S.300)
Abschluss (S.305)

Zugabe (S.323)

Anmerkungen zum Inhalt, Quellen und Literaturhinweise (S.328)

Vorwort

Ich möchte Sie auf ein kleines Gedankenexperiment einladen. Angenommen, Sie hätten eine Zeitmaschine – in welche Zeit würden Sie reisen wollen, um dort zu leben?
Mich, als jemand, der nach eigenem Urteil mit weit offenen Augen und Sinnen durch die Welt geht, überraschte das Ergebnis meiner Überlegungen zu dieser Frage. Denn gleichgültig welcher negative Sachverhalt mir als Anstoß dieses Gedankenexperiments dienen mochte, bei konsequenter Einbeziehung des Gesamtbildes komme ich gleichbleibend zu dem Schluss, dass letztlich keine Zeit so viele positive Möglichkeiten zu bieten hat, wie die heutige. In keiner anderen Zeit, als der heutigen, möchte ich leben.
Für mich stellt sich für dieses Ergebnis als das entscheidende Attribut zweifellos der gegebene Umstand heraus, dass der wissenschaftliche Erkenntnisstand heute naturgemäß den höchsten Level der Geschichte aufzuweisen hat und der Menschheit somit die größten Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Je weiter die Wissenschaft entwickelt ist, in welcher Disziplin auch immer, um so größer ist die Chance, aus diesem Wissen Nutzen für alle zu ziehen.
Freilich bin ich mir bei diesem einleitenden, positiven Bildnis durchaus des »abers« bewusst, welches bei dieser Feststellung in Ihnen womöglich jetzt gerade erwächst. Eine solche Eröffnung mag angesichts des Buchtitels zwar eine unerwartete Einleitung sein, aber sie ist dessen ungeachtet zweifelsfrei ein Teil der Wahrheit, zumindest für einen Teil der Welt und der Menschen: Wir erleben in unseren heutigen Gesellschaften, mit ihren mehr oder weniger demokratischen Grundordnungen, (auch) eine Vielzahl positiver Begebenheiten. Mehr geht innerhalb dieser Gesellschaftsordnungen nicht und so können wir heute zumindest fragmentär ein mitunter menschliches Miteinander wahrnehmen, welches durchaus utilitaristische humanistische Ethik, in eine für einen Teil der Gesamtheit geltende, gesellschaftliche Praxis umzusetzen vermag. Von richtungsweisender und entscheidender Bedeutung ist allerdings die Antwort auf die Frage, in wie weit diese Wahrnehmung tatsächlich als Ausdruck der Wesenheit dieser Gesellschaften zu verorten ist, beziehungsweise bestimmt diese Wahrnehmung tatsächlich ihr Handeln? Weiterhin hat die dieser Gesellschaft zu Grunde liegende Ökonomie, der Kapitalismus, ein Extremum an Produktion geschaffen, welches Segmenten der Gesellschaft einen mehr oder minder in Erscheinung tretenden, extensiven, stofflichen Wohlstand bereitet hat – nur zu welchem Preis geht dies vonstatten?
Will man den tatsächlichen Zustand unserer Gesellschaft detektieren, gilt es diesen Fragen nachzugehen. Wir wollen und wir müssen dies, denn die zuvor registrierten Positiva sind gleichwohl nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht eine für alle unübersehbare, weitgehend in Erscheinung tretende Unverträglichkeit, mit eben diesen humanistischen Werten, immense geistige und stoffliche Armut, Leiden, Animositäten und Unfriede, als Realität in Stein gemeißelt. Und wäre dieses Zerwürfnis nicht bereits unselig genug, werden wir heute zudem Zeuge des Unvermögens all dieser angeblich fortschrittlichen Gesellschaften, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu erhalten: Durch das rasante voranschreiten menschlichen Einwirkens auf die Umwelt, wird diese irreparabel zerstört und entzieht der Menschheit in letzter Konsequenz die eigenen Lebensgrundlagen.
An allen Ecken und Enden unser gesellschaftlichen Ordnungen offenbaren sich zahllose Absurditäten – aber das misslichste daran ist, dass diese in weiten Teilen der Gesellschaft(en) als Normalzustand akzeptiert werden!

Bislang wurde dieses Nebeneinander von gut und böse, reich und arm, Weisheit und Einfalt, als Folge der normalen Beimischungen der menschlichen Natur interpretiert. Der Mensch sei von Natur aus »egoistisch, böse und faul«, heißt es weitläufig – wobei diese dem Menschen angedachten Anlagen als zwingende Auslöser für die Existenz der beiden Medaillenseiten der Gesellschaft herangezogen werden. Andererseits bestehen an dieser schablonisierten Darstellung seit nunmehr über 100 Jahren Zweifel und eben diese Zweifel werden heute durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung, besonders im neurobiologischen Bereich, nachhaltig untermauert. Hier erscheint der Mensch eben nicht mehr als von Natur aus »egoistisch, böse und faul«, sondern es stellt sich heute vielmehr so dar, dass die Gesellschaft selbst, einen grundsätzlich auf ein Miteinander intendierenden Menschen, erst zu einem solchen, unerquicklichen Geschöpf zu machen scheint – und dies bereits sehr früh.
Diese Erkenntnis mag partiell beim Lesenden, als einen Teil der Gesellschaft, einen gewissen inneren Widerstand hervorrufen. Sie stellt sich aber, wie sich noch zeigen wird, tatsächlich als gut gefestigt dar. Vor diesem Hintergrund bekommt der bereits vor rund 150 Jahren hervorgegangene Befund Karl Marx, dass eine Gesellschaft aus ihrer Ökonomie entspringt, neues Gewicht und bietet zugleich, wie bei Karl Marx Theorien üblich, gesellschaftlichen Zündstoff.

Heute liegt die weltweite ökonomische Hegemonie zweifelsfrei der kapitalistischen Ökonomie anheim. Diese beeinflusst auch jene Ökonomien überaus stark, die versuchen, andere Wege zu gehen. Gleichzeitig formt sich aber auch auf Grund der stetig zunehmenden, zwiespältigen Realitäten in der Welt, in zunehmendem Maße der bisher eher diffuse Verdacht zu einer sich verdichtenden Erkenntnis, dass solange der Kapitalismus als Grundordnung für die Verfahrensweise, wie man der Handhabung der menschlichen Bedürfnisse begegnet, existiert, sich offenbar diese Gesellschaften nicht zu ausgewogeneren Gesellschaften weiterentwickeln können. Der Weg zu einer Gesellschaft, in der sich die zuvor genannten Gegensätzlichkeiten auf vornehmlich derer positiver Wesensmerkmale nivelliert vorfinden, erscheint im Kapitalismus unbegehbar.
Diese aufkommende Einsicht manifestiert sich schließlich bei der Analyse der inneren Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Sukzessiv zeichnet sich dabei ab, dass die erlebte Realität tatsächlich kein Betriebsunfall des kapitalistischen Systems ist, sondern seine logische und unausweichliche Konsequenz darstellt. Diese Gesetzmäßigkeiten sind gleichermaßen dafür verantwortlich, dass es für die gesamte Gesellschaft, also nicht nur für einen Teil der Gesellschaft, binnen dieser Ökonomie unmöglich ist, sich zu einer Gesellschaft zu formen, welche auf humanistischer Ethik, als Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens, fußt. Um ein solches Weltgebäude zu gestalten, das gleichermaßen weitgehend frei von Zwängen für jedermann ist und auch Dingen wie der immer währenden Frage nach dem »warum existieren wir« Raum bietet, muss der Kapitalismus offenkundig erst überwunden werden. Wie diese inneren Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten aussehen und wirken – insbesondere wie weit diese wirken – und weshalb sich die Akzeptanz dieser Erkenntnis als so schwierig arrangiert, respektive ob diese Erkenntnis überhaupt substanziiert ist, wird in diesem Buch untersucht.

Die Realität heute sieht so aus, dass man nicht willens zu sein scheint, derartigen, tiefer liegenden Ansätzen nachzugehen. Stattdessen wird konserviert und der für die vorhandenen Ordnung verantwortliche Personenkreis verbarrikadiert sich zunehmend. Die Abläufe der weltweit immer häufiger auftretenden Hunger- und Armutsaufstände werden vordergründig deshalb studiert, damit man sich besser gegen zukünftige Unruhen wappnen und schützen kann. Anstatt den Auslöser der ausgeprägten Weltschieflage zu beseitigen, wird nur an Symptomen herumgedoktert – dies erscheint als die vorherrschende Charakteristik für die Konfliktverarbeitung dieser Gesellschaft.
Fraglos muss man Symptome behandeln, wenn etwas, in diesem Fall Teile unseres Gesellschaftssystems, »krank« sind – als einzige Maßnahme hingegen, ohne die eigentlichen Ursachen des Leidens zur Disputation zu stellen, mutet diese Herangehensweise allerdings wenig lebensklug an. Sinn ergäbe eine solche Herangehensweise nur, wenn dies auch so gewollt wäre und so erscheint es heute inzwischen vielen so, als würde diese Couleur für die eigenen, erlebten Vorzüge, eine allgemeine Entwicklung zum Besseren bewusst opfern – die selbstsüchtige Geißel des »nicht weiter Denkens« beherrscht, nicht nur in weiten Teilen des Establishments, allzu präsent das Handeln.

Teile der Leserschaft mögen sich an dieser Stelle, nicht ganz zu unrecht, die Frage stellen, warum sich der Kapitalismus als vorherrschendes System augenscheinlich durchgesetzt hat. Hier muss ich zunächst bremsen und um Geduld bitten. Hier gibt es nicht die ersehnte kurze Antwort, um all den auf der Straße anzutreffenden Vorurteilen und Fehlinterpretationen im Vorbeigehen zu begegnen. Die Entschleierung muss substanziell, in gebotener Breite, mittels logischer Beweise vonstattengehen, damit die zum Teil über Generationen weitergegebenen und oft tief sitzenden, inadäquaten Überzeugungen, bereinigt werden können. Die relevanten Facetten einer gesamtheitlichen, gesellschaftlichen Auseinandersetzung – und die Leserschaft wird feststellen, dass dies viele sind – müssen aufgenommen und dabei in jeder erdenklichen Hinsicht tranchiert und in einzelne Komponenten zergliedert werden. So werden nach und nach die Verhältnisse der einzelnen Teilaspekte untereinander und die daraus resultierenden Interaktionen im Gesamtsystem, verständlich. Innerhalb dieses Prozesses werden sich die im allgemeinen bereits bestehenden, allenthalben in die Irre leitenden und blockierenden Vorbehalte, Vorurteile, Ressentiments, Klischees, Stereotypen, Schablonen und landläufige Vorstellungen, in vollkommen neuem Lichte darstellen. Das ist positiv.
Elementar bei diesem Vorgang ist, dass dieses von ganz allein, durch das eigene Verstehen des Geschehens geschieht und nicht, weil es vorgegeben wird. Genau dies ist meine Intention – die Gegebenheiten, Sachlagen, Verhältnisse und Realitäten darzulegen, und die Eigenerkenntnis zu fördern! Die sich selbst einstellende Klarsicht über die Dinge, soll sich aus einer möglichst vorurteilsfreien Bewertung der Faktizitäten herausbilden, statt sich ein Urteil aus diffusen und nebulösen Meinungen und Anschauungen zu formen. Das analytische Gutachten, unter Betrachtung möglichst vieler Aspekte, verdrängt die Manipulation der Agitation.

Die Lesenden werden nicht der förderlichen Spannung beraubt, wenn ich an dieser Stelle bereits verbriefe, dass diese am Ende des Buches, als Ergebnis der Betrachtungen, das Wissen um einen »Schlüssel« aus der Misere, den nebenbei bemerkt Albert Einstein bereits beschrieben hat, in der Hand halten werden.
Sofern der Wille vorhanden ist, etwas Neues zu lernen, selbständig zu denken und insbesondere die Bereitschaft vorliegt, auch unbequeme Wahrheiten anzunehmen, wird am Ende des Buches nachvollzogen werden können, dass eine Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaften zum positiven, zu wahrhaft menschengerechten Gesellschaften, definitiv möglich ist und wie dieser Verwandlungsprozess vonstatten gehen müsste.

Ich wünsche Ihnen spannende Lesestunden.